Fütterst Du noch oder barfst Du schon?

28. November 2015
(5 Stimmen)

Barfen ist ein Trend. Barf ist in aller Munde, fast jeder Hunde- oder Katzenbesitzer, der sich ein wenig mit der Ernährung seines Vierbeiners beschäftigt, hat schon mal davon gehört.

Gab es in den 90ern gerade mal einen Online-Shop, der Barf-Fleisch versendet hat, existieren mittlerweile hunderte Online-Shops. Hat man früher vielleicht, wenn man Glück hatte, beim Metzger oder auf dem Markt ein paar Abschnitte bekommen oder vielleicht das Glück, einen kleinen Futterfleischanbieter in erreichbarer Nähe zu haben, gibt es mittlerweile an jeder Straßenecke einen Barf-Shop.

Mittlerweile haben auch die großen Ketten den Trend für sich entdeckt – fast jeder große Zoohandel hat mindestens eine Tiefkühltruhe im Laden stehen, es gibt Barf in Dosen, Trockenbarf, Fertigbarf und ein riesiges Arsenal mit Zusätzen, Flocken und Ölen rund ums Barfen.

Manchmal ist der Barf-Bereich etwas versteckt und lieblos hergerichtet, in anderen Geschäften hat man eine extra Fläche umgestaltet, alles schön rustikal mit viel Holz dekoriert – die Regale und Truhen gefüllt, den Mitarbeitern im Schnelldurchgang ein paar Informationen verpaßt und schon klingelt die Kasse.

Jeder will ein Stück vom Kuchen haben.

Was häufig auf der Strecke bleibt, ist eine vernünftige Beratung. Schnell schleichen sich Fehler ein oder man wird viel Geld für überflüssige Pülverchen und Nahrungsergänzungsmittel los.

Das hat zur Folge, dass in den Tierarztpraxen beim Thema Barf mittlerweile immer mehr Tierärzte die Hände über den Kopf zusammen schlagen, manche sogar explizit vor BARF warnen, während Ernährungsberater für Hunde und Katzen wie Pilze aus dem Boden schießen.

Fast im Stunden-Takt erscheinen neue Bücher oder Blogeinträge zum Thema Barf, nicht alle davon sind allerdings wirklich hilfreich, sondern tragen erst recht zur allgemeinen Verwirrung bei.

Ist der Barf-Trend der neue Goldesel der Tierfutterindustrie?

Anscheinend ja.

Es ist ein riesiger Markt, der angetrieben wird von Verunsicherung – zu viel hört oder liest man, jeder hat eine andere Meinung, jeder weiß besser, wie es nun richtig geht. Immer wieder wird unterschwellig die Angst geschürt, der unwissende Hunde- oder Katzenbesitzer könne sein Tier gar nicht alleine richtig ernähren – zumindest nicht Ohne Buch A oder B, Ernährungsplan X, Rationsberechnung Y oder Fertigbarf Z.

Zusätze sind das nächste Thema – es gibt Pülverchen für ALLES. Das Angebot ist schier unerschöpflich und immer wird die Angst im Hintergrund bedient, dass Barfen ja doch nicht so ganz ausgewogen sein könnte und vielleicht doch was fehlen könnte….was man mit diesen Pülverchen, und NUR mit diesen, vermeidet.

Auch die Palette an Fertig-Barf-Produkten wächst ständig – selbstverständlich alles ohne böse künstliche Stoffe und teilweise mit haarsträubenden Rezepturen.

Dazu kommt dann noch eine schier unerschöpfliche Auswahl. Barf in Dosen, Kochbarf, Trockenbarf, Fertigbarf, Barf-Puzzle – wir haben die Qual der Wahl.

Barf ist andererseits augenscheinlich das Allheilmittel. Barfen bringt Allergien zum Verschwinden, stoppt den Krebs, lindert Folgen von Gelenk- und Knochenproblemen, sorgt für gesunde Zähne, heilt kranke Nieren, läßt die Leber gesunden, repariert den Darm, schützt gegen Parasiten…..so könnte man meinen, wenn man all die begeisterten Berichte hört.

Egal, welche Erkrankung der eigene Hund oder die eigene Katze hat, früher oder später bekommt Frauchen oder Herrchen immer den Tipp, zu barfen, dann würden alle Probleme sich in Luft auflösen.

Barfen vermittelt eine heile Welt – fast jeder Anbieter hat selbstverständlich nur Fleisch aus artgerechter Haltung im Angebot, sogar Bio-Barf gibt es bereits.

Schöne neue Welt also?

Mitnichten. Mittlerweile sind sich die Barfer nämlich selber nicht mehr einig, was nun Barfen ist. Die einen propagieren das Prey Model Raw, also das Verfüttern ganzer Beutetiere mit Haut und Haar, andere füttern bis zur Hälfte der Ration Gemüse, während wiederum andere Gemüse, Obst und Getreideflocken als nicht artgerecht ablehnen.

Die einen berechnen akribisch bis auf die letzte Nachkommastelle den Nährwertbedarf, während andere frei Schnauze einfach bunt gemischt den Napf füllen. Die einen halten sämtliche Pülverchen und Mittelchen für die Ausgeburt des Bösen, während andere auf diverse Zusätze schwören und häufig ein ganzes Arsenal an diversen Dosen und Flaschen in der Küche stehen haben.

Während die einen auf Fertigbarf schwören, ist es für andere kein „richtiges“ barfen, denn im fertig gemixten Rohfutter kann ja wer weiß was drin sein, ausgewogen ist es ganz sicher niemals nicht und überhaupt ist das absolut nicht besser als eine Futterdose oder –tüte aufzumachen.

Ja was denn nun?

Swanie Simon hat dazu bereits einen sehr schönen Artikel geschrieben – das Brimborium um Barf, zu finden auf Ihrer Seite www.barfers.de/das_brimborium_um_barf und in der von ihr verfassten Barf-Broschüre.

Wir möchten aus diesem Artikel einen ganz wichtigen Absatz zitieren:

Barfen ist leicht. Barfen ist keine Religion. Barfen ist einfach nur Hunde füttern.

Es besteht kein Grund ein Brimborium drum zu machen. Es ist nicht entscheidend, ob der Hund ein bißchen Getreide bekommt oder 30% statt 10% Gemüse. Es ist nicht entscheidend, ob der Hund zwei Mal am Tag frisst oder nur ein Mal alle zwei Tage. Entscheidend ist, dass man sich am Beutetier orientiert und abwechslungsreich füttert.

Damit sollte eigentlich alles gesagt sein. All die Grabenkriege, all die gegensätzlichen Meinungen, all die verschiedenen Angebote sollten immer mit diesen Worten im Hinterkopf beurteilt werden. Es ist nicht möglich, „perfekt“ zu barfen.

Barf in der Dose oder Trockenbarf ist allenfalls ein Marketinggag – alles, was gekocht oder getrocknet ist, kann kein BARF (Biologisch artgerechtes ROHES Futter) mehr sein.

Rohes bzw. gefrorenes Fertigbarf dagegen kann durchaus eine Alternative sein, wenn es mal schnell gehen muss – wenn die Zusammensetzung vernünftig und klar deklariert ist!

Zusätze haben ihren Sinn, aber in Maßen und vor allem nur bedarfsgerecht – sie sind kein Muss und erst recht kein Freifahrtschein, dass mit ihnen ja alle eventuellen Fütterungsfehler gerade gerückt werden.

Bleibt noch die Sache mit dem vielen Fleisch aus artgerechter oder sogar Bio-Haltung. Nun ja – so viele Tiere werden gar nicht artgerecht oder bio gehalten, wie Barf-Fleisch aus selbiger angeboten wird. Wichtiger als (angebliche) Herkunft oder der Preis des angebotenen Barf-Fleisches ist die Qualität. Fein gewolfte Pampe, unklare Deklaration, merkwürdiger Geruch? Oder doch lieber grob gewolft oder in Stücken, mit einem frischen Geruch und Aussehen?

Man sollte sich informieren – und durchaus auf sein Bauchgefühl hören. Nicht alles glauben, was man liest, ein findiger Verkäufer so erzählt und auch bei einem Barf-Plan durch einen Ernährungsberater oder Tierarzt kritisch hinterfragen, wenn etwas unklar erscheint. Barfen bedeutet, man muß sich mit den Bedürfnissen seines Hundes oder seiner Katze auseinandersetzen und sich informieren – das ist etwas, das einem kein Fertigbarf-Hersteller, Verkäufer, Ernährungsberater oder Tierarzt abnehmen kann.

Aber genau das macht Barfen ja so interessant!

Generell gilt – es gibt nicht DAS einzig richtige Barfen. Viele Wege führen nach Rom – äh, zum Barf und alle haben ihre Berechtigung.

Wir von der PfotenBar sind gerne dabei behilflich, einen dieser vielen Wege zu entdecken. Hierfür bieten wir regelmäßig Vorträge und Workshops an und stehen auch sonst gerne mit Rat und Tat beim Einkauf zur Seite.

Foto: Farouche vom Niederheider Hof. ©Antje Hachmann

Gelesen 3446 mal Letzte Änderung am Samstag, 28 November 2015 20:25
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