Katzen barfen leicht gemacht

08. April 2014
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Die Rohfütterung von Hunden, auch „barfen“ genannt, ist ja mehr oder weniger in aller Munde – fast jeder Hundebesitzer hat es zumindest schon mal gehört, zahllose Bücher überschwemmen förmlich den Markt, auch im Internet gibt es zahlreiche Gruppen und Seiten, die sich damit befassen.

Aber was ist mit den Katzen? Sie werden teilweise doch ein wenig stiefmütterlich behandelt – es gibt einige wenige Internetseiten und einige wenige Bücher zu diesem Thema, aber hier scheiden sich die Geister. Katzen barfen scheint kompliziert und aufwendig, ohne zig Pülverchen und riesigen Aufwand scheint es nicht zu gehen…oder?

Doch, es geht – sogar recht einfach.

Schauen wir uns zuerst einmal an, wie ein Beutetier zusammengesetzt ist. Man kommt auf durchschnittliche Werte von etwa 10-15% Knochen, 5-15% Innereien, 5-25% Rohfaser (Mageninhalt, Fell, Krallen, Schnäbel) und insgesamt liegt der Fettgehalt zwischen 10 und 25%.

Das ist, egal ob für Hunde oder Katzen, die Ausgangsbasis. Nun gibt es bei den Katzen einige Besonderheiten – so fressen sie wesentlich weniger Rohfaser als Hunde, vor allem pflanzliche Rohfaser können Katzen gar nicht richtig verdauen. Außerdem haben Katzen einen höheren Bedarf an Vitamin A(vor allem in Leber und Eigelb enthalten) und sie benötigen zwingend notwendig Taurin – eine Aminosäure (Protein), die Katzen nicht selber herstellen können. Bei einem Mangel drohen auf Dauer Schäden, vor allem an den Augen, aber auch im gesamten Organismus.

Die Natur ist da natürlich recht geschickt – Katzen fressen in freier Natur und auch als Freigänger vor allem kleine Nagetiere – Mäuse, manchmal auch Ratten oder junge Kaninchen, gelegentlich ergänzt durch junge Vögel oder Eier. Interessanterweise haben Mäuse einen sehr hohen Tauringehalt – so paßt zusammen, was zusammen gehört.

Beim Katzen barfen greift man vor allem auf Rind, Geflügel und Kaninchen zurück, was bedeutet, man muß Taurin ergänzen . Es gibt natürlich Ernährungspläne, die Taurin weitgehend natürlich zuführen wollen, was in bedeutet, dass das Futter zu fast 50% auf Herz besteht – auf Dauer problematisch, da Herz einen gegenüber anderem Muskelfleisch mehr Phospor enthält und daher die Nieren belasten kann. Obwohl Herz eigentlich zu Muskelfleisch gehört, ist es auch eine Innerei – es zählt nicht zu den 5-15% Innereien laut Schema, hat mit den anderen Innereien wie Leber und Niere allerdings den etwas höheren Phosporgehalt gemeinsam.

Um einen Taurinmangel zu vermeiden und den Phosporgehalt in der gesamten Futtermenge nicht zu sehr zu erhöhen, empfiehlt sich daher,  maximal 20-30% Herz zu füttern und ansonsten Taurin zu ergänzen. Entweder nutzt man hierzu reines Taurin (bitte vorher mit etwas Wasser anmischen, da pur im Trockenzustand leicht ätzend), Grünlippmuschelmehl (enthält etwa 2-4% Taurin) und alternativ auch frische oder gefrorene Grünlippmuscheln.

Knochen, die von Katzen nicht nur angenommen, sondern auch gefressen und verdaut werden können, sind vor allem Hühnerflügel und Hühnerhälse  – alles andere, was man so an Knochen bekommen kann, ist meist zu hart oder zu groß. Eine Alternative hierzu, um den Kalziumbedarf zu decken, wären gewolfte Knochen, Knochenmehl oder  gemahlene Eierschale.

Innereien sind meist ein zwiespältiges Thema – Nieren und Herz wird von den meisten Katzen gerne gefressen, aber bei der Leber gibt es unter Samtpfoten genau wie bei Hunden Exemplare, die Leber im Napf einfach für absolut unzumutbar halten.

Bevor man hier als Katzenhalter schier verzweifelt – Eigelb oder Dorschlebertran enthält ebenfalls Vitamin A und D, eignet sich also vorzüglich als Ersatz. Dorschlebertran kann täglich unters Futter gemischt werden, Eigelb kann 2x in der Woche als „Schmankerl“ gereicht werden, einfach mit der Fleischration mischen.

Bis hierhin ist es also recht einfach – durchwachsenes Muskelfleisch, Innereien, Knochen und Taurin dürften also das kleinste Problem sein. Das Thema Rohfaser ist da schon ein wenig differenzierter.

Katzen benötigen einen geringen Anteil an Rohfasern im Futter, um die Verdauung in Schwung zu halten – und das ist bei den samtpfotigen Gourmets gar nicht so einfach.

Die einfachste Variante wäre das tägliche Eintagsküken –dann hat man nicht nur mit dem Flauschfedern, Schnabel und Füßen die notwenige Rohfaser,  sondern aufgrund des enthaltenen Dottersacks auch direkt die B-Vitamine, einen Teil Vitamin A und einen Teil Knochen mit erledigt.

Dagegen spricht aber zum einen, dass es doch ein wenig Überwindung kostet, so ein ganzes Flauschtier zu verfüttern – von der Sauerei mal abgesehen – zum anderen, dass viele Katzen dann gerne zu Kükenjunkies werden und jedes andere Futter außer Eintagsküken verweigern.  Aus diesem Grund sollte man Eintagsküken nicht zu häufig  geben – 2-3x in der Woche ist völlig ausreichend.

Natürlich gibt es für die Rohfaser auch genug andere Möglichkeiten: Flohsamenschalen, fein püriertes Gemüse (Zucchini, Karotten), Kartoffelpüree, zerkleinerte Vollkornhaferflocken, Amaranth, Hirse – einfach ausprobieren, was die Samtpfote mag und im Futter toleriert. Eine Messerspitze voller Flohsamenschalen, zerkleinerten Getreideflocken oder  Weizenkleie ist völlig ausreichend – püriertes  Gemüse (Babygläschen sind eine tolle Alternative!), püriertes Obst oder Kartoffelpüree darf gerne etwas mehr gegeben werden, ein halber Teelöffel pro Mahlzeit ist aber in der Regel genug.

Kommen wir nun zu den Ergänzungsfuttermitteln – den Supplementen oder Pülverchen. So viel davon braucht man gar nicht, es ist im Prinzip sogar recht einfach:

  1. Taurin – sollte immer im Haus sein
  2. Seealgenmehl – hervorragender Ersatz für Blut, ansonsten gelegentlich mal ein wenig Blut füttern
  3. Bierhefe – Ergänzung von B-Vitaminen, wenn Leber, Eigelb und Eintagsküken verschmäht werden
  4. Dorschlebertran – Ergänzung von Vitamin A und D
  5. Lachsöl – zum Ausgleich der Omega-3-Fettsäuren

Das war es schon – mit Ausnahme von Punkt 1 und und Punkt 5 kann man bei ausgewogener Fütterung auch auf diese Ergänzungen verzichten.

Auf dem Markt sind auch viele Mehrfach-Ergänzungen erhältlich – beispielsweise Felini Complete (dem auch Vitamin A, D und E zugesetzt sind, also nicht geeignet, wenn Leber, Eigelb oder Küken gefressen werden), Barfers Best for Cats (Calziumcitrat, Bierhefe, Seealgenmehl, Taurin), Micro Mineral (Algenkalk, Bierhefe, Seealgen – Taurin fehlt noch), Easy Barf (in verschiedenen Varianten, diese unterscheiden sich in den jeweils zugesetzten Vitaminen).

Diese Mehrfach-Ergänzungen sind recht praktisch, man sollte aber genau schauen, was davon für die eigene Samtpfote passend ist.

Noch ein Wort zum Lachsöl – bei so ziemlich jedem Fleisch, außer Wild und Fisch, stimmt das Verhältnis von Omega-Fettsäuren nicht mehr. Der Grund liegt vor allem in dem Streß bei der Schlachtung, weshalb Wild (wird im Gehege oder freilebend geschossen) und Fisch (der von Natur aus reich an Omega 3 ist) nicht betroffen ist. Lachsöl ist, genau wie Leinöl und Hanföl, sehr reich an Omega-3-Fettsäuren – da es tierisches Fett ist, kann es von der Katze sehr gut verwertet werden und sollte daher regelmäßig ergänzt werden.

Empfehlenswert ist immer, sich mit den Nährwerten der einzelnen Lebensmittel näher zu befassen und man sollte sich auch darüber informieren,  welche Nährstoffe Katzen in welcher Menge benötigen, bevor man mit dem Barfen loslegt. Schnell wird man aber feststellen,  wenn man sich an das obige Schema (10-15% Knochen, 5-15% Innereien, 5-25% Rohfaser, gesamter Rest Muskelfleisch quer durchs Beutetier, Gesamtfettgehalt 10-25%) hält, dass man alle Nährstoffe in der richtigen Menge und in der bestmöglichen Bioverfügbarkeit füttert.

Katzen, die bisher nur Fertigfutter gefressen haben – insbesondere Trockenfutterjunkies – sind oft nur sehr schwer an das neue Futter zu gewöhnen. Hier ist es sehr hilfreich, das Fleisch wirklich nur in mikroskopisch kleinen Mengen unter das bisher bevorzugte Futter zu mischen. Man kann das Futter auch anwärmen oder „zufällig“ vom Tisch fallen lassen – Tricks gibt es viele.

Für den Anfang reicht es auch, wenn man nur ein bißchen Fleisch untermischt. Bis zu 20% der Gesamtfuttermenge des Fertigfutters kann durch Fleisch ersetzt werden, ohne dass man sich Gedanken um die richtige Zusammensetzung, Taurin, Vitamine oder Mineralstoffe machen muss.

Die herkömmlichen, handelsüblichen Fertigfutter sind meist sowieso sehr großzügig mit Vitaminen und Mineralstoffen ergänzt, so dass es unterm Strich insgesamt paßt.

Wie man sieht, ist Katzen barfen im Prinzip nicht schwieriger als Hunde barfen – wenn man einige Kleinigkeiten beachtet. Natürlich kann man, genau wie bei Hunden, alles bis aufs Gramm genau ausrechnen – manchmal ist es hilfreich, um sich selber davon zu überzeugen, dass wirklich alles an Nährstoffen, welche die Katze benötigt, im Futter enthalten ist. Es ist aber nicht unbedingt notwendig. 

Bei chronisch kranken Patienten, äußerst wählerischen Samtpfoten, die nur ausgesuchte Fleischsorten fressen, bei heranwachsenden Katzen und bei Senioren ist es aber in jedem Fall hilfreich, gelegentlich mal nachzurechnen und die Fütterung zu überprüfen.

Im Prinzip ist Katzen barfen, richtig gemacht, aber vor allem eines – gesund!

Gelesen 8785 mal Letzte Änderung am Dienstag, 08 April 2014 20:09
JoomShaper
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