Trockenfutter für Katzen – ein Plädoyer

04. Juni 2018
(6 Stimmen)

Wer uns von der PfotenBar kennt, wird sich jetzt sicher denken, wir sind völlig verrückt geworden…;-)

Nein, ganz und gar nicht. Auch unsere Auffassung ist, dass Trockenfutter keine vernünftige Hauptnahrung für Katzen ist. Um es ganz klar zu sagen – eine Katze überwiegend mit Trockenfutter zu ernähren, ist tatsächlich Sterbehilfe.

Das liegt ganz einfach daran, dass Katzen ursprünglich Wüstentiere sind. Sie sind ursprünglich hochspezialisierte Beutegreifer, deren Organismus überwiegend darauf ausgerichtet ist, den Flüssigkeitsbedarf über die Nahrung zu decken. Frisches Fleisch hat einen Feuchtigkeitsgehalt von ca. 80%, was im Idealfall fast schon ausreichend ist.

Katzen trinken von Natur aus sehr wenig. Schaut man sich in Katzenforen um, liest man von allen möglichen Tricks, um Katzen zum Trinken zu animieren – es wird zusätzlich Wasser ins Futter gegeben, es werden Trinkbrunnen gekauft, überall in Haus oder Wohnung Wassernäpfe verteilt – weil wir eben wissen, dass Flüssigkeit enorm wichtig ist.

Eine der häufigsten Todesursachen bei Katzen sind Nierenerkrankungen und deren Folgen – und wer einmal eine betroffene Katze hatte oder hat, wird mir zustimmen – es ist eine besch…. Krankheit.

Wir haben uns also gemerkt – Trockenfutter ist böse. Trockenfutter ist Gift. Trockenfutter ist das Schlimmste, was man einer Katze antun kann.

Die trockene Konsistenz ist – abgesehen von der absolut grottigen Zusammensetzung der meisten handelsüblichen Trockenfutter – tatsächlich das größte Problem für Katzen.

Der hohe Anteil an Getreide oder pflanzlichen Produkten ist im schlimmsten Fall nicht nur ein zusätzlicher Minuspunkt, sondern kann auch ursächlich für andere Folgeerkrankungen, vor allem der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis, Pankreasinsuffizienz, Diabetes) sein.

Ansonsten ist es einfach Füllmaterial, unnützer Müll, der Katzen mehr schadet als nutzt, weil sie diese Bestandteile gar nicht verwerten kann.

Immer mehr Katzenbesitzer barfen – was ich sehr begrüße, denn meiner persönlichen Auffassung nach ist es die natürlichste und sinnvollste Art der Fütterung. Viele andere füttern hochwertiges bis sehr hochwertiges Nassfutter, was auch absolut in Ordnung ist.

Aber – es gibt auch viele Katzenbesitzer, die gerne mal Leckerli geben. Die mal ein Fummelbrett damit bestücken, mit ihren Katzen clickern oder halt einfach mal so.

Da Trockenfutter so böse ist, sucht man also nach Alternativen. Und tadaa – Trockenfleisch! Idealerweise sogar selbst gedörrt. Das ist doch toll, das ist natürlich und gar nicht böse. Wirklich?

Ähm – nein. Selbst das allerfeinste Trockenfleisch, mit viel Liebe selbst gedörrt, hat einen gravierenden Nachteil: Es ist TROCKEN.

Dazu kommt aber noch ein ganz anderer Umstand, der gerne vergessen wird – es ist auch unausgewogen. Reines Muskelfleisch hat vor allem Protein und Fett, aber nur wenig Vitamine, so gut wie gar kein Kalzium, dafür ist es aber reich an Phosphor.

Gerade in KatzenBarfer-Kreisen wird aus dem Kalzium-Phosphor-Verhältnis häufig geradezu eine Wissenschaft gemacht – da wird peinlich genau ausgerechnet, ob einfach nur der Knochenanteil reicht oder mit Eierschale bzw. Algenkalk ergänzt werden muss, um ein perfektes Ca:Ph-Verhältnis zu bekommen. Auch über den Anteil bzw. das Verhältnis von Innereien ist man sich weitgehend einig und natürlich wird immer wieder gepredigt, dass eine Katze jeden Tag alle Nährstoffe bekommen muss.

Andererseits wird dann, ohne mit der Wimper zu zucken, an manchen Tagen – oder an ein paar mehr Tagen – Trockenfleisch als Leckerli gegeben.

So ein paar Bröckchen sind ja nicht viel, denkt man. Das fällt ja kaum ins Gewicht.

Irrtum! Schaut euch mal die Futtermenge für eine Katze an. Eine durchschnittliche Katze mit durchschnittlichen 4 kg frißt am Tag ungefähr 120-150g BARF oder ca. 200-300g hochwertiges Nassfutter.

Schon 10g Trockenfleisch – etwa das, was auf einen Teelöffel paßt – entspricht etwa 50g Frischfutter. Das bedeutet, dass eine Clickersession oder eine Fummelbrettfüllung locker einer Hauptmahlzeit entspricht.

Das bedeutet – gebe ich Trockenfleisch, ist unter Umständen bis zu 30% - ein DRITTEL der Tagesration – unausgewogen, was sowohl das Kalzium-Phosphorverhältnis betrifft als auch die Gesamtbilanz an fett- und wasserlöslichen Vitaminen und Spurenelementen. Das bedeutet, vor allem für die Barfer – egal, was für einen Aufwand ihr betreibt, ob Beutetierkonzept, Frankenprey, Supplemente-Barf, mit Kalkulator-Programm, mit Pülverchen oder ohne – die ganze Rechnerei ist ad absurdum geführt. Füttert ihr regelmäßig auch nur geringe Mengen von Trockenfleisch, paßt euch das ganze Nährstoffverhältnis nicht mehr.

Was nun? Trockenfutter böse, Trockenfleisch auch?

Jein. Wir empfehlen Barfern, die Leckerchenmenge entsprechend bei der Futterzubereitung zu berücksichtigen. Das heißt im Klartext – im Hauptfutter den Anteil an Muskelfleisch, den ich als Snack gedörrt/getrocknet (oder auch frisch) verfüttern will, entsprechend bei der Zubereitung weglassen, aber bei der Rationsplanung mit einberechnen.

Kompliziert? Nun ja, mit ein wenig Übung kommt die Routine. Funktioniert natürlich nur beim Barfen, wenn man die Rationen selber zusammen stellt.

Die andere Alternative wäre, auf Trockenfleisch zu verzichten und stattdessen auf das ach so verpönte Trockenfutter zurück zu greifen.

Aber – das ist jetzt kein Plädoyer für irgendein Trockenfutter. Wir meinen selbstverständlich ein hochwertiges Trockenfutter. Getreidefrei, mit hohem Fleischanteil, möglichst wenig pflanzlichen Bestandteilen!

Es gibt mittlerweile eine sehr große Auswahl an Trockenfutter mit einem sehr hohen Fleischanteil, vernünftiger Deklaration und annehmbarer Zusammensetzung. Der Vorteil an Trockenfutter – und hier kommen wir zu unserer Überschrift – ist, dass es als Alleinfuttermittel deklariert ist. Es hat also in sich, egal ob ich nur einen Krümel oder ein paar Bröckchen mehr davon füttere, ein besseres Verhältnis an Kalzium zu Phosphor, Spurenelementen und Vitaminen als reines Muskelfleisch.

Mit beiden Varianten hat man insgesamt eine ausgewogene Nährstoffversorgung. Das Problem mit der Trockenheit bleibt allerdings!

Egal, für was ihr euch entscheidet – wenn ihr regelmäßig trockene Snacks verfüttert, bitte denkt daran, zu den Hauptmahlzeiten (die selbstverständlich aus Nassfutter oder Barf bestehen sollten) einen zusätzlichen Schwapp Wasser zu geben. Außerdem sollte IMMER frisches Wasser bereit stehen. Die Nieren eurer Katze werden es euch danken.

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JoomShaper
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