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Autor: Die Pfotenbar

Kleiner BARF-Grundkurs – Teil 2 – Knochen und Knorpel

BARF ist ein immer größeres Thema – fast jeder Hunde- oder Katzenbesitzer hat schon davon gehört oder darüber gelesen.

Allerdings stellen wir von der PfotenBar immer wieder fest, dass häufig Unsicherheit über die einzelnen Bestandteile beim BARFen herrscht. In Teil 1 unseres kleinen Grundkurses haben wir daher erklärt, warum Innereien beim BARFen so wichtig sind –heute geht es um Knochen und Knorpel.

Schaut man sich eine ganze Kuh, ein ganzes Kaninchen, ein ganzes Huhn an, stellt man fest, dass es aus Muskeln, Organen, Drüsen, Haut und Knochen besteht – grob gesehen.

Knochen und Knorpel sind sozusagen die tragenden Säulen eines Lebewesens – ein Wunderwerk der Natur. Knochen sind winzig klein und filigran, groß und massiv, kleine Rädchen im Getriebe oder Schutz von Organen – und sie alle werden aus Bestandteilen der Nahrung gebildet.

Pflanzenfresser ziehen Calcium, den elementarsten Mineralstoff, aus dem Knochen, Knorpel und Zähne gebildet werden, aus ihrer Ernährung, nämlich Gras, Kräutern, Blumen, Beeren, Körnern, Nüssen, Samen, Rinde. Es ist erstaunlich, wie viel Calcium z.B. Sesam oder Gänseblümchen enthalten.

Die Pflanzen wiederum ziehen diese Mineralstoffe aus den Böden, auf denen sie wachsen – Beutegreifer, also Lebewesen, die sich von anderen Lebewesen ernähren, nutzen das Calcium, das Pflanzenfresser in ihren Körpern (hier vor allem in den Knochen) gelagert haben, als Lieferant für ihren eigenen Nährstoffbedarf.

Beim BARFen meint man, wenn man von Knochen spricht, immer fleischige Knochen – also nicht die reinen, blanken Knochen, sondern mit anliegendem Fleisch und Knorpel sowie dem Inhalt, nämlich dem Knochenmark.

Sie sind der Hauptlieferant von Calcium, enthalten aber auch Phosphor, Magnesium und einige weitere Mineralstoffe sowie Spurenelemente.

Der Calciumgehalt von fleischigen Knochen schwankt sehr stark – Hühnerhälse haben mit etwa 1.200 mg bis 1.500mg den geringsten Calciumgehalt, am anderen Ende der Skala stehen Rinder- und Pferdeknochen mit bis zu 4.000 mg Calcium (jeweils auf 100g berechnet!).

 

Knorpel sind überwiegend die weicheren Gelenkköpfe von tragenden Knochen junger Tiere, die Spitzen von Brustbein und Rippen, aber auch die Schulterplatten, der Kehlkopf und die Luftröhre. Knorpel ist überwiegend weicher und enthält weniger Calcium, ist dafür aber reich an natürlichen Kollagen.

Es gibt aber auch hier Unterschiede – Kehlkopf und Luftröhre enthalten sehr wenig Calcium, Gelenkköpfe, Brustbein- oder Rippenspitzen und Schulterblätter haben dagegen je nach Alter des Tieres, von dem sie stammen, sogar mehr Calcium als Hühnerhälse.

 

Knochen unterscheidet man zunächst einmal grundlegend aufgrund ihrer Funktion. Einfach zu merken – je älter das Tier ist, von dem die Knochen stammen und je massiver es ist (ein Rind ist größer und wiegt mehr als ein Kaninchen), desto härter sind die Knochen.

Geflügelknochen sind relativ dünn und auch hohl – beim Fliegen ist zu viel Gewicht und Masse ja eher hinderlich. Sie können recht gut verfüttert werden, auch an kleinere Hunde und Katzen.

 

Tragende Knochen, wie Beine von größeren Landbewohnern, sind aufgrund ihrer Aufgabe sehr massiv und hart – schließlich lastet das gesamte Gewicht auf ihnen.

Solche Knochen sollte man nicht füttern, denn zum einen sind sie, einfach aufgrund ihrer großen Dichte, sehr schwer verdaulich und zum anderen droht die Gefahr von Zahnschäden. Bei großen Schenkelknochen bitte nur die Gelenkköpfe abfressen lassen – ist nur noch das harte Mittelstück übrig, dieses bitte entsorgen.

 

Dies gilt übrigens auch für Putenschenkelknochen, da Puten meist auch recht groß und schwer werden und ihre Beinknochen daher wesentlich stabiler und größer sind als Beinknochen von kleinerem Geflügel. Bei Putenschenkeln ist das Splittern der hohlen Knochen auch durchaus gefährlich, da die Knochen von Puten eben härter sind und sich dadurch spitze und gefährliche Bruchkanten bilden können. Die Schenkelknochen von (jungen) Hühnern können dagegen unbedenklich gefüttert werden.

 

Markknochen, wie sie häufig im Supermarkt erhältlich sind, sind Scheiben von solchen tragenden Knochen – und sie sind noch aus einem dritten Grund gefährlich, denn beim Auslecken kann es schnell passieren, dass ein Hund sich den Knochenring über den Unterkiefer stülpt – eine teure, aufwendige Operation ist die Folge.

 

Rippenknochen sind relativ hart, aber dünn, so dass vor allem Hunde ab ca. Mittelgröße mit ihnen gut zurechtkommen. Rippenknochen von jungen Tieren, wie jungen Rindern/Kälbern und Lämmern, sind sehr weich und  häufig mit relativ viel Fett und Fleisch bedeckt, während z.b. Pferderippenknochen fast blank, also fast ohne Fleisch und Fett, zu bekommen sind.

 

Brustbeinknochen sind vorwiegend von jungen Tieren sehr beliebt und geradezu ideal als Knochen. Die Brustbeinspitzen sind sehr weich, hier endet quasi der Knochen in Knorpel. Mit Brustbeinknochen hat man geradezu eine ideale Kombination von Knochen als Calcium-Lieferant und Knorpel als Kollagen-Lieferanten.

 

Karkassen sind das Rückenstück überwiegend von Geflügel oder kleineren Tieren, wie z.b. Kaninchen. Karkassen beinhalten das Rückgrat, die Brustrippenknochen, Hüfte und evtl. Teile vom Hals. Karkassen sind relativ weich, so dass sie auch mit einem guten Messer, Beil oder Geflügelschere zerkleinert werden können, sie sind also ideal, um sie zerkleinert zu füttern und super für Katzen und kleine Hunde geeignet. Karkassen von Kaninchen enthalten sehr viel Calcium.

 

Hälse gibt es vorwiegend vom Geflügel – sie sind sehr beliebt, da an ihnen sehr viel Fleisch ist und sie werden häufig sehr gut vertragen, auch von Hunden, die von Knochen ansonsten sehr schnell Verstopfung bekommen. Hälse bestehen aus den Halswirbelknochen und viel Knorpel. Vor allem Hühnerhälse haben nicht sehr viel Calcium, dafür etwas mehr Phosphor, da Hühner recht jung geschlachtet werden und die Hälse sehr fleischig sind. Sie können ebenfalls sehr gut zerkleinert werden.

 

Schwänze, vom Rind, Ochsen, Kalb und die Schweifrübe vom Pferd, gehören zu den recht harten, aber auch sehr knorpelhaltigen Knochen.

 

Sandknochen sind aus den Kugelgelenken (Gelenkköpfen) gesägte Stücke. Sie sind relativ hart, haben aber den Vorteil, dass sie nicht einfach zerbissen werden können, sondern Hund muss wirklich darauf herumkauen, um den Knochen krümelweise zu fressen. So landen keine größeren Knochenstücke im Magen, der Hund ist beschäftigt und fürs Calcium ist auch gesorgt.

 

Nackenknochen sind recht kompakte Knochen, die je nach Alter des Tieres, von dem sie stammen, sehr hart sein können. Häufig ist sehr wenig Fleisch an diesen Knochen. Nackenknochen von jungen Tieren, wie etwa Kalb oder Lamm, können sehr gut gefüttert werden.

 

Flügel bitte immer mit Haut füttern und gerade bei Puten- oder Entenflügel die Spitze prüfen. Ist sie sehr spitz, sollte sie gekappt werden. Flügel sind insbesondere bei Katzen oder kleineren Hunden sehr beliebt, da gerade die Flügel vom Huhn sehr leicht zu kauen sind.

 

Knochen sollten grundsätzlich ROH gefüttert werden. Werden Knochen gekocht, werden sie hart und spröde, sie können splittern und diese Splitter können durchaus zu Verletzungen führen. Gekochte Knochen sind auch sehr schwer verdaulich, was zu weiteren Problemen führen kann bis hin zum Darmverschluss.

Das gilt übrigens auch für Knochen von Geflügel!

Knochen werden unterteilt in sogenannte weiche Knochen und sogenannte harte Knochen. Häufig liest man, dass nur weiche Knochen weniger Calcium hätten und man daher darauf achten sollte, nicht nur weiche Knochen zu verfüttern, das ist so aber nur bedingt richtig.

Hühnerknochen werden recht jung geschlachtet, deshalb enthalten Knochen vom Huhn generell relativ wenig Calcium. Sie gehören, wie auch Lammrippen, Lammbrustbein, Entenhälse, Putenhälse, Kaninchenknochen zu den weichen Knochen. Knochen vom Lamm, Kaninchen und größerem Geflügel enthalten aber wesentlich mehr Calcium.

Man kann durchaus ausschließlich weiche Knochen füttern – lediglich, wenn man nur Knochen vom Huhn füttert, sollte man evtl. etwas Calcium zusätzlich ergänzen.

Ganz wichtig – nur rohe Knochen füttern, niemals ohne Aufsicht und niemals zu viel auf einmal!

Bei der Knochenfütterung scheiden sich nach wie vor die Geister. Tierärzte warnen häufig vor der Verfütterung von ganzen Knochen – teilweise mit Recht, denn es gibt immer ein gewisses Risiko. Bei gierigen Schlingern besteht durchaus die Gefahr, dass sie zu große Stücke auf einmal schlucken. Zuviel Knochen auf einmal kann zu erheblichen Problemen bei der Verdauung führen, manchmal kommt es zu so massiven Verstopfungen, dass diese tierärztlich behandelt werden müssen. Zu harte Knochen können auch zu Schäden an den Zähnen führen.

Getrocknete Knochen sind wirklich gefährlich, da sie schlecht verdaut werden und auch splittern – das kann lebensgefährlich werden.

Es gibt also durchaus Risiken bei der Knochenfütterung – aber es gibt auch gute Gründe, die FÜR Knochen sprechen, zumindest bei der BARF-Fütterung.

Zum einen liefern Knochen nicht nur Calcium, sondern auch Kollagen, Magnesium, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Zum anderen sind Knochen sehr effektive „Zahnbürsten“ und zugleich Beschäftigung – vielen Hunden und auch Katzen bereitet es große Freude, Knochen zu fressen.

Kleiner Tipp – Knochen können sehr gut als „Dessert“ gefüttert werden. Dann ist die Gier nicht so groß, die Magensäureproduktion durch das bereits gefressene Fleisch in vollem Gange und der Magen ein wenig „gepolstert“.

Es spricht nichts dagegen, Knochen gewolft zu verfüttern, beispielsweise bei Hunden, die stark schlingen oder mäkeligen Fressern, die nicht gerne kauen, allerdings fehlt dann der Effekt der Zahnreinigung.

Gewolfte (also durch den Fleischwolf gedreht und zerkleinerte) Knochen sind meist weichere Knochen, Brustbeinspitzen, Karkassen, Hälse oder Flügel. Häufig werden sie auch als „Knorpelmix“ bezeichnet.

Es gibt durchaus Gründe, KEINE Knochen zu füttern. Bei Nierenerkrankungen sollten z.b. keine Knochen gefüttert werden, da sie neben Calcium auch sehr viel Phosphor enthalten.  Hunde oder Katzen mit Darmträgheit, Megacolon oder Perinealhernie sollten Knochen nur in sehr geringem Maße oder gar nicht bekommen, da Knochen häufig härteren Kot verursachen und das kann zu Problemen führen.

Wenn keine Knochen gefüttert werden, ist es in den meisten Fällen ausreichend, vor allem das Calcium zu ersetzen, z.b. durch Eierschale, Algenkalk, Calciumcarbonat oder Calciumcitrat, wenn keine Nierenerkrankung vorliegt, auch Knochenmehl. Phosphor ist im Fleisch und in den Innereien meist ausreichend enthalten, aber Knochen enthalten auch andere wertvolle Nährstoffe, wie eben auch Magnesium, Natrium, Kalium, Eisen, Kupfer, Zink und vieles andere mehr.

Aus diesem Grund sollte man auf Knochen nur verzichten, wenn es wirklich notwendig ist, denn auch sie sind ein wichtiger Bestandteil der BARF-Ernährung.

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Carnes Doggi

 

 

Kleiner BARF-Grundkurs – Teil 1 – warum Innereien so wichtig sind

BARF ist ein immer größeres Thema – fast jeder Hunde- oder Katzenbesitzer hat schon davon gehört oder darüber gelesen.

Allerdings stellen wir von der PfotenBar immer wieder fest, dass häufig Unsicherheit über die einzelnen Bestandteile beim BARFen herrscht – deshalb starten wir heute mit den Innereien den ersten Teil einer kleinen Reihe, in der wir ein bisschen über die Hintergründe erzählen, was warum und in welcher Menge in den Napf gehört.

Schaut man sich eine ganze Kuh, ein ganzes Kaninchen, ein ganzes Huhn an, stellt man fest, dass es aus Muskeln, Organen (Innereien), Drüsen, Haut und Knochen besteht – grob gesehen.

Die Organe sind so etwas wie ein Wunderwerk der Natur – sie speichern Nährstoffe, filtern Giftstoffe aus dem Blut und geben es – vor allem über Blase – wieder ab, sie pumpen Blut durch den gesamten Körper, produzieren Blutkörperchen oder recyceln alte Blutkörperchen, produzieren die Hormone, steuern den Hormonspiegel – eine unglaublich effiziente Maschinerie.

Aber nicht alles, was innen im Körper liegt und an diesen Vorgängen beteiligt ist, gehört auch zu den Innereien, die wir beim BARFen verwenden.

 

Das Herz ist beispielsweise ein unglaublich effizienter Muskel, denn es pumpt ununterbrochen Blut durch den ganzen Körper – sauerstoffreiches Blut wird in den Körper verteilt, sauerstoffarmes Blut wird zur Lunge weiter geleitet.

Es ist also eigentlich keine Innerei in dem Sinne, wird beim BARFen aber häufig zu den Innereien gezählt – das liegt daran, dass Herz reich an Purin (eine Aminosäure, das ist ein Protein-Baustein) ist. Zu viel Purin kann unter anderem zu Durchfall führen. Innereien haben grundsätzlich einen höheren Gehalt an Phosphor als Muskelfleisch – Herz liegt mit dem Phosphorgehalt etwa dazwischen.  Herz liefert unter anderem Jod, Kupfer, B-Vitamine, Vitamin E und Kalium.

Herz gehört etwa zu einem Anteil von 2-5% ins Futter, für Katzen ist es häufig etwas mehr. Kleiner Tipp – Herz ist ein ausgesprochen festes Fleisch, darum eignet es sich prima auch als Leckerchen beim Training, roh oder gekocht in kleine Würfel geschnitten.

 

Die Leber ist eine „echte“ Innerei. Sie kann immens viel Vitamin A speichern, aber man findet auch fast alle B-Vitamine, Eisen und alle Spurenelemente, wie Zink, Mangan, Selen und Kupfer in der Leber. Um zu verdeutlichen, wie immens die Speicherkapazitäten sind – Eisbären leben überwiegend von Fisch und Robben, die reich an Vitamin A und D sind. Für uns Menschen und viele Tiere ist schon ein kleines Stück Eisbärleber toxisch und kann zu einer Vitamin A Vergiftung führen!

Die Leber hat im Körper sehr vielfältige Aufgaben, unter anderem baut sie Zucker zu Fett um, filtert Giftstoffe (auch Insektizide und Medikamente) aus dem Blut. Diese Stoffe wandelt sie entweder in Abbauprodukte um oder gibt sie weiter an die Niere. Gelegentlich wird behauptet, dass die Leber als Entgiftungsorgan besser nicht gefüttert werden sollte, weil sie Giftstoffe speichert. Das ist aber so nicht korrekt, denn die Leber ist in erster Linie darauf aus, sämtliche Stoffe, die für den Körper nicht gut sind, wieder los zu werden. Schaut man sich an, wie schlecht es Menschen und Tieren mit Lebererkrankungen geht, kann man sich eine Vorstellung über die Leistungsfähigkeit der Leber machen. Beim BARFen ist Leber die wichtigste Innerei und sollte in jedem Fall in den Napf kommen.

Leber sollte etwa 3-5% des gesamten Futters ausmachen.

 

Die Nieren sind sehr reich an Selen und an B-Vitaminen, aber auch an Kupfer, Folsäure und Kalium. Sie sind im Körper paarweise angelegt und haben die Aufgabe, Giftstoffe und Abbauprodukte von Nährstoffen aus dem Körper zu bringen. Die Nieren sind sehr effektive Filter, die ständig das Blut filtern und dabei Giftstoffe und überalterte Zellen zu Harn umwandeln, der über die Blase gesammelt und dann ausgeschieden wird. Sie balanciert den Flüssigkeitshaushalt im Körper aus und reguliert den Blutdruck, aber auch den Anteil an im Blut gelösten Mineralien und Spurenelementen. Die Niere liegt im Körper gut geschützt in einer Fettkapsel, zusammen mit den Nebennieren, die eine wichtige Rolle im Hormonhaushalt spielen.

Etwa 1,5-3% des gesamten Futters sollte aus Nieren bestehen. Niere ist DER Selenlieferant, aber nicht zwingend erforderlich in einem BARF-Plan – wenn Leber ausreichend gefüttert wird, können die wertvollen Inhaltsstoffe der Niere auch anderweitig ergänzt werden, z.b. mit Paranüssen oder Kokosraspeln.

 

Die Milz ist sehr proteinreich und hat einen hohen Gehalt an Eisen. Dadurch, dass sie extrem gut durchblutet ist, hat sie auch einen guten Gehalt an B-Vitaminen und Spurenelementen wie z.B. Kupfer. Die Aufgabe der Milz liegt vor allem im immunologischen Bereich, denn sie produziert Leukozyten, baut überalterte oder geschädigte rote Blutkörperchen ab und entsorgt so ziemlich alle Zellen, die nicht ins Blut gehören.

Die Milz kann bis zu 5% des Körpergewichts eines Lebewesens wiegen, beim BARFen füttert man etwa 1-3% vom  gesamten Futter als Milz. Auch Milz gehört nicht zu den Innereien, die zwingend erforderlich sind – man kann sie durchaus ersetzen. Rechnet man eine Futterration mit und ohne Milz durch, ergeben sich lediglich geringfügige Abweichungen. Milz enthält unter anderem B-Vitamine, Eisen, Vitamin E, Kalium, Folsäure, Kupfer, Zink.

 

Die Lunge ist neben dem Herz wohl das wichtigste Organ im Körper – sie reichert das Blut mit Sauerstoff an. Beim BARFen wird sie häufig als „wertlos“ unterschätzt, lediglich getrocknet ist sie als Leckerei recht beliebt – zu Unrecht, denn die Lunge hat sehr ähnliche Nährwerte wie die Milz und darüber hinaus ist sie auch immens reich an Taurin, einer für Katzen essentiellen Aminosäure.

Lunge ist sehr voluminös, dabei fettarm und reich an Protein. Sie muss nicht unbedingt gefüttert werden, kann aber  durchaus bis zu 10% des Futters ausmachen. Das macht sie ideal für Diäten, wenn Hund oder Katze abspecken müssen. Übrigens – die Lunge ist keine „reine“ Innerei. Die Außenwände bestehen aus glatter Muskulatur.

 

Der Magen (und auch der Darm) zählen nicht zu den Innereien, obwohl beide innen liegen. Magen und Darm sind sehr effektive Muskel, die Nahrung zerkleinern und mit Hilfe von Magensaft und Enzymen aufschließen. Die Darmwände nehmen die Nährstoffe auf und geben sie ans Blut ab zur weiteren Verwertung.

Die Mägen von Wiederkäuern haben eine Sonderstellung, sie werden beim BARFen weder zu Innereien noch zu Muskelfleisch  gezählt, sondern separat behandelt – das liegt unter anderem daran, dass Pansen ein sehr gutes Calcium-Phosphor-Verhältnis hat und bei Hunden sehr beliebt ist. Etwa 20% des Futters kann aus Pansen und Blättermagen bestehen. Viele Katzen mögen Pansen übrigens recht gerne und sie dürfen ruhig etwa 5% ihres Speiseplans als Pansen bekommen. Achtet darauf, sogenannten „grünen“ Pansen zu bekommen – gereinigter weißer Pansen ist so gut wie wertlos. Kleiner Tipp – bei Getreideallergikern besser auf Lammpansen ausweichen, bei Gräser-Allergien wäre Blättermagen die bessere Wahl.

 

Blut hat eine Sonderstellung. Es gehört beim BARFen weder zu den Innereien, noch zu Muskeln oder Knochen. Aber es hat im Körper eine sehr wichtige Aufgabe, nämlich Nährstoffe und auch Sauerstoff dorthin zu bringen, wo sie weiter verarbeitet werden. Blut ist immens reich an Eisen aufgrund des Hämoglobins, das für die rote Farbe des Blutes verantwortlich ist, aber auch B-Vitamine, Selen, Zink, Kupfer sind enthalten. Es kann also durchaus sinnvoll sein, auch Blut in geringen Mengen zu füttern.

 

Wie man sieht, sind Innereien wichtige Nährstoff-Lieferanten beim BARFen und unendlich wertvoll für die Versorgung mit wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Das liegt ganz einfach an den wichtigen Aufgaben, die sie im lebenden Körper erfüllen.

Manche Hunde – und Katzen – finden den Glibber im Napf allerdings unzumutbar. Ganz empfindliche Kandidaten reagieren auch schnell mit Durchfall, vor allem, wenn zuviele Innereien auf einmal gefüttert werden.

In diesen Fällen kann man es durchaus mit verschiedenen Varianten versuchen – Innereien gewolft untermischen, lieber täglich ganz kleine Mengen füttern als an einzelnen Tagen mehr, leicht ankochen oder anbraten.

Wer dennoch keine Innereien füttern kann oder will, sollte sich daher die Nährstoffanalysen von Innereien anschauen und die dort enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente anderweitig ergänzen – was aber, gerade die Leber betreffend, sehr kompliziert und aufwendig ist.

Die Leber ist die wichtigste Innerei beim BARFen!

 

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Carnes Doggi

 

BARFen bei Erkrankungen des Bewegungsapparates

Es gibt eine Vielzahl von Beschwerden, die den Bewegungsapparat bei Hunden betreffen – am häufigsten handelt es sich um Erkrankungen oder Beschwerden der verschiedenen Gelenke, aber auch Bänder und Sehnen.

Je nach Art der Beschwerden und Ausprägung gibt es verschiedene Ansätze zur Behandlung, sowohl aus medizinischer als auch physiotherapeutischer Sicht.

Aber auch über die Ernährung kann man sehr viel dazu beitragen, Symptome zu lindern, Entzündungen und Schmerzen zu bekämpfen oder auch vorbeugend unterstützen.

Eine Möglichkeit ist die Umstellung auf BARF.

Die Umstellung auf BARF kann effektiv Schmerzen lindern, den Abbauprozess von Knorpelgewebe verlangsamen, wirksam bei Wundheilung oder Gewebeaufbau unterstützen sowie die Beweglichkeit erhöhen bzw. erhalten.

Das funktioniert deshalb so gut, weil man bei der Zusammenstellung des Futters gezielt Bestandteile füttern oder weglassen – und so perfekt auf den Hund (oder die Katze) abstimmen kann.

 

Dabei sind einige Grundsätze zu beachten:

 

  • Die Rationen sollten unbedingt getreidefrei gestaltet werden, da vor allem glutenhaltige Getreide entzündliche Prozesse begünstigen können

Tipp: wenn eine Kohlehydratquelle benötigt wird, unbedingt auf glutenfreie Getreide achten.  Eine Ausnahme ist Hirse – ihr werden entzündungshemmende Eigenschaften nachgesagt und wird häufig gut vertragen.

  • Nahrungsergänzungen oder Kräuter sollten gezielt zu gefüttert werden – es gilt NICHT, viel hilft viel, sondern es sollte abgestimmt auf die jeweilige Erkrankung sein. Es ist durchaus ein Unterschied, ob die Beschwerden durch entzündliche Prozesse (z.b. bei Arthrose), durch altersbedingten Verschleiß oder schlicht und ergreifend durch Fehlbildungen von Knochen und Gelenke verursacht werden.
  • Fischöl, frisches Obst und Gemüse, Fleisch mit gutem Anteil an Bindegewebe/Knorpel hat positiven Einfluss
  • Unbedingt auf eine sehr schlanke Figur achten! Gerade bei Erkrankungen des Bewegungsapparates zählt jedes Gramm.

 

Ansonsten wird das Futter ganz normal zusammengestellt – Muskelfleisch, Pansen, Fisch, Innereien, Knochen, Gemüse, Öl, evtl. Seealgen in der üblichen Verteilung, dabei immer auf einen angemessenen Fettgehalt achten.

Das ist zunächst die Grundlage – mit geeigneten Futterergänzungen kann man dann ganz gezielt helfen.

Es gibt mittlerweile ein riesiges Angebot an verschiedenen Pülverchen für Gelenke und Knochen und natürlich ist eines besser als das andere. Ist das aber wirklich so? Wie finde ich heraus, was meinem Hund – oder meiner Katze – wirklich hilft und wie sollte ich auswählen?

 An erster Stelle steht die Diagnose – was hat mein Hund bzw. meine Katze für Beschwerden? Was will ich effektiv erreichen? Denn danach werden die geeigneten Ergänzungen zum Futter gewählt:

 

  • Gezielte Unterstützung der Gelenke (Gelenkflüssigkeit, Knorpelmasse)
  • Gezielte Unterstützung von Sehnen und Bändern
  • Effektive Schmerzlinderung
  • Verbesserung der Beweglichkeit
  • Gezielte Unterstützung der Wundheilung, z.b. nach Operationen, Bänderrissen
  • Gezielter Muskelaufbau

 

Aber woher weiß ich, welche Zusätze wofür gut sind?

Diese kleine Übersicht über einige verschiedenen Möglichkeiten und die  wichtigsten Wirkungsweisen kann schon eine erste Orientierung bieten:

 

Grünlipp Muschelextrakt – enthält neben Mineralstoffen, Spurenelementen und wertvollen Aminosäuren einen ungewöhnlich hohen Anteil an GAGs (Glycosaminglykane). Fördert die Regeneration und den Aufbau von Knorpel und Bindegewebe, wirkt entzündungshemmend, verbessert die Struktur des Bindegewebes. Wirkt am besten bei erhöhter Zufuhr von Vitamin C,  Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren. Auf Qualität achten! Wirksam ist das Muschelfleisch, nicht die Schale – entfettetes Muschelfleisch ist weniger wirksam, kostet aber weniger.

 

Chondroitin – am häufigsten vorkommendes Glycosaminglykan im Knorpel, das Wasser im Bindegewebe absorbiert, die Bildung von Hyaluronsäure und so die Elastizität und Gleitfähigkeit der Gelenke fördert. Es hemmt zudem Enzyme, die Knorpel aufspalten.

 

Glukosaminglykane – fördert die Anordnung und die Reparatur des Knorpels, dient als Vorläufer für die Produktion des Gelenkknorpels sowie der Synovialflüssigkeit um das Gelenk. Glukosamine reduzieren entzündliche Prozesse und helfen so, das Gelenksgewebe und die Synovialflüssigkeit zu regenerieren und erhalten.

 

Kollagen-Hydrolysat – Kollagen-Hydrolysat regt die Knorpelzellen an, vermehrt Gewebe zu bilden und wird deshalb zur Prävention und Therapie von Osteoarthrosen eingesetzt. Kollagen-Hydrolysat trägt zur Festigkeit und Flexibilität des Bindegewebes bei, erhöht so die Gelenksbeweglichkeit und reduziert das Schmerzgeschehen bei degenerativen Gelenkserkrankungen. Auf gute Qualität achten!  Achtung, Kalorienbombe!

 

MSM (Methylsulfonylmethan) – entgiftet den Körper, wirkt entzündungshemmend, beschleunigt die Reparatur und den Aufbau körpereigener Zellen, schmerzlindernd, regt Durchblutung und Verdauung an, fördert die Wundheilung

 

Weidenrinde – enthält Acetylsalicylsäure, sozusagen natürliches Aspirin, schmerzlindernd, blutverdünnend (regt Durchblutung an) – nicht für Katzen!

 

Teufelskralle – wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd

 

Ingwer – schmerzlindernd und entzündungshemmend, hemmt den Abbau des Knorpelgewebes

 

Mädesüß – enthält Acetylsalicylsäure, wirkt fiebersenkend, schmerzlindernd, entgiftend, blutreinigend, harn- und schweißtreibend – nicht für Katzen!

 

Weihrauch entzündungshemmend und schmerzlindernd

 

Tipp – viel hilft NICHT viel. Lieber sparsam und nur wenige Präparate, diese dafür aber gezielt einsetzen!

 

Zu Reiskeimöl gibt es in den letzten Jahren immer mehr Berichte und Empfehlungen.

Im Pferdesport wird es bereits seit längerem gezielt zum Muskelaufbau eingesetzt und seit einigen Jahren ist dieser Trend auch in die Hundeszene übergeschwappt. Aber Achtung – im Pferdesport gilt Reiskeimöl als Dopingmittel, es verdirbt sehr schnell und es sollte sehr sparsam dosiert werden (1 ml auf 20kg Hund), da es die Leber stark beansprucht. Der wirksame Bestandteil in Reiskeimöl ist Gamma-Oryzanol – mittlerweile sind auch Kapseln mit diesem Stoff als Nahrungsergänzung im Handel. Bitte beachten, dass dieser Stoff auch cholesterin- bzw. blutfettwertsenkend wirkt.

Reiskeimöl  ist bei Hunden nur in Verbindung mit gezieltem Muskelaufbautraining sinnvoll.

Bitte beachten: Reiskeimöl hat einen hohen Gehalt an Linolsäure, die zu Arachidonsäure umgewandelt wird – diese kann entzündungsfördernd wirken. Bei entzündlichen Prozessen (Arthrose, Arthritis) ist Reiskeimöl daher nicht geeignet.

 

Ein Geheimtipp, der völlig vernachlässigt wird, ist Taurin. Taurin ist im Körper für viele Stoffwechselvorgänge mit erforderlich, vor allem aber für den Muskelaufbau und -Erhalt. Für Katzen ist Taurin essentiell, muss also über die Ernährung zugeführt werden – bei Hunden geht man bis heute davon aus, dass sie Taurin selbst im Darm synthetisieren können. Wer barft, also roh füttert, hat in der Regel sowieso Taurin im Futter, denn Taurin ist vor allem in stark arbeitender Muskulatur vorhanden.

Dennoch kann es gerade bei älteren Hunden und bei Hunden, die mit Fertigfutter ernährt werden, sehr hilfreich sein, zusätzlich Taurin ins Futter zu geben. Gerade bei älteren Hunden sollte man den Effekt, auch auf die Augen und das Herz, nicht unterschätzen.

 

Im Handel gibt es sehr viele verschiedene Kombinationspräparate. Schaut euch die Zusammensetzung aber genau an, denn häufig bestehen diese Präparate zu einem Teil aus Stoffen, die nicht notwendig sind.

Es ist übrigens durchaus möglich, Gelenkproblemen, Arthrose, Bänderrissen oder Verschleisserscheinungen  vorzubeugen.

Auch die Ernährung sollte dabei nicht unterschätzt werden, denn auch über den Futternapf kann man ganz gezielt dazu beitragen, Beschwerden, die aus diversen Zipperlein rund um den Bewegungsapparat resultieren, gar nicht erst entstehen zu lassen.

Ganz wichtig – und oft unterschätzt – ist dabei das Körpergewicht eures Hundes. Jedes Gramm zu viel kann zur Schädigung von Gelenken, Bändern und Sehnen beitragen!

 

Vielen Dank für das Bild an Tierphysio Langenfeld, Roswitha Lammertz

Fellnasenphysio Flechsig

Unsere Reihe „wen die PfotenBar empfiehlt“ geht in eine neue Runde! Wir von der Pfotenbar sind häufig nicht nur Ansprechpartner, wenn es ums Barfen oder artgerechte Ernährung geht. Natürlich helfen wir auch gerne weiter, wenn es um die Frage geht, welcher Tierarzt der Richtige ist, welche Hundeschule paßt oder ob wir gute Hundesitter, Tierphysiotherapeuten usw. kennen. Kennen wir, haben wir teilweise selbst auf Herz und Nieren geprüft, empfehlen wir gerne weiter – und stellen euch unsere Tipps nach und nach vor.

Heute geht es um Ute Flechsig, die mit der Fellnasenphysio Flechsig einen mobilen Tierphysiotherapiedienst anbietet – das bedeutet, sie kommt zu den vierbeinigen Patienten nach Hause, so dass die Behandlung ganz entspannt in vertrauter Umgebung stattfinden kann.

Das macht das Angebot auch ideal für Katzen, denn auch Katzen haben immer häufiger Beschwerden mit dem Bewegungsapparat und Physiotherapie kann hier eine mehr als sinnvolle Behandlungsmöglichkeit sein.

Tierphysiotherapie ist in den letzten Jahren immer „moderner“ geworden – das ist auch kein Wunder, denn auch bei Tieren hat man mittlerweile den unschätzbaren Wert einer effektiven Physiotherapie erkannt – gerade bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, bei Verspannungen, bei Schmerzen durch Fehlstellungen oder Fehlbildungen, zur schnelleren Genesung und Muskelaufbau nach Operationen, zur ausgleichenden Therapie bei fehlenden Körperteilen und vielem mehr kann Physiotherapie unschätzbare Dienste leisten.

Ute Flechsigs Schwerpunkt liegt dabei unter anderem auf manueller und geräteunterstützender Therapie, Krankengymnastik, Massagen und Lymphdrainagen – sie arbeitet also körperlich sehr eng mit den tierischen Patienten zusammen.

Seit März bietet Ute regelmäßig eine offene tierphysiotherapeutische Sprechstunde mit einem orthopädischen Check-Up für die Vierbeiner in der PfotenBar an – eine Spezialität, die auch zu ihrem Repertoire gehört. Dabei geht es darum, eventuelle Fehlbelastungen, Fehlstellungen, Verspannungen oder Beschwerden frühzeitig zu erkennen, eventuell sogar vorzubeugen und falls Behandlungsbedarf besteht, auch Empfehlungen auszusprechen.

Daher komme ich also öfter mal in den Genuss, Ute bei der Arbeit zuzuschauen. Ute geht dabei sehr gründlich vor – zuallererst steht die Bekanntmachung mit dem vierbeinigen Patienten. Das kann durchaus auch etwas länger dauern, aber für eine vertrauensvolle Behandlung ist eine angstfreie, entspannte Atmosphäre sehr wichtig und deshalb nimmt Ute sich dafür so viel Zeit, wie das jeweilige Tier dafür braucht. Wenn möglich, wird dann zunächst Hund oder Katze in der Bewegung beobachtet – häufig sieht man schon im Bewegungsablauf, wo es „klemmen“ könnte.

Dann wird gründlich abgetastet, massiert, gedehnt – und ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, Ute dabei zu beobachten. Sie fühlt sich richtig in den vierbeinigen Patienten ein, konzentriert sich ganz auf das, was sie fühlt – das kann man ihr richtig ansehen.

Richtig toll finde ich, wie schnell sie einen Draht zu dem jeweiligen vierbeinigen Patienten aufbaut und wie sensibel sie mit den Tieren umgeht – auf kleinste Äußerungen wird geachtet. Wir hatten zum ersten Termin sogar zwei Katzendamen zu Gast und es war wirklich faszinierend, wie gelassen die beiden Samtpfoten den Checkup mitgemacht haben.

Dabei hat Ute auch ein sehr aufmerksames Auge auf viele Kleinigkeiten – ein unpassendes Geschirr, zu lange Krallen, nichts bleibt ihr verborgen und sie spricht Verbesserungsbedarf auch ohne Scheu an. Man merkt, dass Ihr die Tiere wirklich am Herzen liegen.

Wir von der PfotenBar finden – empfehlenswert!

Mehr Infos findet ihr unter: http://fellnasenphysioflechsig.de

Proteine, Fette, Kohlenhydrate – die drei „großen“ Energielieferanten und ihre Bedeutung für den Hund

Immer wieder hört man, dass Barfen – also die Rohfütterung –  so proteinreich wäre. Genauso häufig wird nach magerem Fleisch gefragt oder nach Leckerchen mit „wenig Fett“ bzw. „wenig Kalorien“.

Offensichtlich herrscht immer noch ein wenig Verwirrung darüber, was wo drin ist und was davon für den Hund wirklich wichtig ist – auch müssen wir uns frei von dem Gedanken an „das böse Fett“ machen, insbesondere beim Barfen.

Für den Hund gibt es 3 große Energieträger, die ihn nicht nur mit lebenswichtigen Bestandteilen versorgen, sondern auch notwendige Energie liefern – Proteine, Fette und Kohlenhydrate.

Proteine sind wichtig für den gesamten Organismus – jede einzelne Körperzelle wird mit Hilfe von Proteinen gebildet. Der Körper benötigt Proteine, um seine tägliche Arbeit, die Erneuerung, den Aufbau und die Reparatur der einzelnen Zellen, zu erledigen. Proteine sind aus kleineren Bestandteilen, den Aminosäuren, zusammengesetzt, wobei in pflanzlichen Proteinen andere Aminosäuren enthalten sind als in tierischen Proteinen. Für Hunde sind Proteine aus tierischen Quellen besser verwertbar als pflanzliche Proteine.

Fette kann man grob unterteilen in gesättigte Fettsäuren, ungesättigte Fettsäuren und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Tierisches Fett enthält mehr gesättigte Fettsäuren und ist für Hunde besser verwertbar als pflanzliches Fett. Fett ist ein wichtiger Energielieferant, sorgt für eine gute Verdauung, glänzendes Fell und gesunde Haut.

Kohlenhydrate sind, um es einfach auszudrücken, Mehrfachzucker oder Stärke. Vor allem Getreide, aber auch Pseudogetreide, Reis und Kartoffeln sind reich an Kohlenhydraten. Oft unterschätzt werden Rüben und Hülsenfrüchte, die ebenfalls einen sehr hohen Stärkegehalt haben. Kohlenhydrate liefern schnell verfügbare Energie (ähnlich wie Traubenzucker) und werden in der Leber zu Glykogen umgewandelt. Überschüssige Kohlenhydrate werden in Fettdepots umgewandelt und im Körper als solche gespeichert.

Jetzt das Erstaunliche – Kohlenhydrate gelten sogar für den Menschen als nicht essentiell, das bedeutet, nicht lebensnotwendig, da alle Energie, die aus Kohlenhydraten gewonnen werden kann, vom Körper auch aus Proteinen oder Fetten umgewandelt werden kann. Die Low-Carb-Bewegung und die Paleo-Diät ist also gar nicht so verkehrt…;-)

Ähnlich bzw. noch extremer verhält es sich beim Hund, der ja trotz seiner jahrtausendelangen Anpassung an uns Menschen immer noch anatomisch und biologisch ein Beutegreifer ist, also mehr auf tierische als pflanzliche Nahrung ausgerichtet. Kohlenhydrate können für Sporthunde oder bei Lebererkrankungen tolle Energielieferanten sein, jedoch sind sie nicht zwingend notwendig.

Die Ernährung eines Hundes sollte also, vereinfacht gesagt, bestehen aus Proteinen, Fetten und nur ergänzend aus Kohlenhydraten – ergänzend dann, wenn z.b. Erkrankungen vorliegen, die eine fettarme oder proteinarme Ernährung  notwendig machen, wie z.b. Leber- oder Pankreaserkrankungen oder wenn eine zusätzliche Energiequelle benötigt wird.

Es macht aber KEINEN Sinn, generell oder aus Diätgründen fettarm zu füttern – sogar ganz im Gegenteil!

Fassen wir einmal kurz zusammen:

Proteine werden für die Körperfunktionen, Zellerneuerung etc. benötigt

Fette werden für die Energieversorgung, Haut, Fell und Verdauung benötigt

Kohlenhydrate sind in erster Linie Energie- und Ballaststofflieferanten

 

Hunde benötigen Proteine – eine angemessene Menge, um die körpereigenen Funktionen aufrecht zu erhalten. Fette sind vorzügliche, langfristige Energielieferanten, die vom Hundeorganismus nahezu rückstandsfrei verwertet werden können – sie sorgen darüber hinaus auch für ein gutes Haut- und Haarkleid und eine gute Verdauung.

Die meisten fettarmen Snacks enthalten entweder relativ viel Protein (wie z.b. Lunge) oder viel Kohlenhydrate – wie z.b. Hundekekse.  Je fettärmer ein Fleisch ist, desto mehr Proteine enthält es.

Proteine und Kohlenhydrate enthalten ca. 4,5 kcal je Gramm, Fett ca. 8,5 kcal je Gramm. Man könnte jetzt denken, alles super, wenn ich weniger Fett füttere, dann kann ich mehr Protein und Kohlenhydrate füttern – aber leider ist das zu kurzsichtig gedacht.

Bekommt der Hund viel Protein und wenig Fett, ist er gezwungen, seinen Energiebedarf aus Proteinen zu decken – was bedeutet, dass die Nieren tatsächlich belastet werden, da beim Abbau von Proteinen vermehrt Harnstoff und Ammoniak anfällt.

Bekommt der Hund angemessen Protein, wenig Fett und dafür mehr Kohlenhydrate, sind Darm und Bauchspeicheldrüse (Insulin) sehr beschäftigt mit der Verwertung und es kann zu einem Mangel an notwendigen Fettsäuren kommen. Bei Hunden mit einem hohen Energiebedarf muss man dazu verhältnismäßig große Mengen füttern, was sich auch in den Hinterlassenschaften niederschlägt. Dazu kommt, dass Kohlenhydrate nicht so lange satt machen wie Fett.

Bekommt der Hund wenig Protein, viel Fett, dann fehlen ihm wichtige Bausteine für eine reibungslose Funktion des Organismus, auch die Leber und die Bauchspeicheldrüse (Verdauungsenzyme) wird übermäßig belastet – abgesehen davon, dass zuviel Fett auch für eine deutlich flottere und weichere Verdauung sorgt.

Bekommt der Hund wenig Protein, wenig Fett, aber viele Kohlenhydrate, dann fehlen ihm wichtige Bausteine für die reibungslose Funktion des Organismus und teilweise auch wichtige Fettsäuren – Fell und Haut leiden eher darunter als die Verdauung, die durch viele Ballaststoffe auch eher angeregt wird. Darüber hinaus muß vor allem der Magen-Darm-Trakt, die Niere und auch die Bauchspeicheldrüse (Insulin) ziemlich viel arbeiten, um überhaupt genug Energie gewinnen zu können. Mit steigendem Gehalt an Rohfaser im Futter sinkt auch die Verwertbarkeit der Nährstoffe. Viele Kohlehydrate enthalten Stoffe, die die Aufnahme von Calcium, Zink, Mangan und Kupfer hemmen, so dass ein höherer Bedarf an diesen Nährstoffen besteht

Was ist nun die richtige Lösung?

Dafür gibt es kein General-Rezept, denn jeder Hund ist anders.

Es gibt aber ein paar Grundregeln, die man beherzigen kann:

  • Beim Barfen auf einen guten Fettgehalt von mindestens 10%, besser 15% des Fleisches achten, evtl. mit purem Fett ergänzen. Nicht einfach die Futtermenge erhöhen!
  • Bei fettarmen Leckerchen auch die Proteinzufuhr im Auge behalten – lieber etwas weniger, dafür gehaltvollere (=höherer Fettgehalt) Snacks geben und bei der Gesamtfuttermenge berücksichtigen.
  • Trockenfutter mit wenig bis moderaten Protein- und/oder Fettgehalt enthält meistens sehr viele Kohlenhydrate, also einen recht hohen pflanzlichen Anteil (in der Trockenmasse).
  • Nudeln, Reis und Kartoffeln sind keine kalorienarmen Sattmacher, sondern tatsächlich eher Dickmacher, da sie reich an Kohlenhydraten sind. Dazu sind sie reine Energielieferanten – sie liefern weder wichtige Fettsäuren noch nennenswert Protein, was aber für den Aufbau, die Reparatur und den Erhalt der körpereigenen Zellen und der Muskulatur sehr wichtig ist.
  • Fleisch ist KEIN pures Protein, sondern hat einen Proteingehalt von ca. 10% bis 25%.
  • Pflanzliche Öle sind größtenteils keine geeigneten Fettlieferanten – besser ist tierisches Fett.

Bei Erkrankungen (Niere, Leber, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen wie Diabetes, Pankreatitis, Insuffizienz), Allergien und IBD (Darmerkrankungen) ist natürlich eine entsprechend angepasste Fütterung notwendig. Da muss man ein wenig rechnen, aber das ist halb so wild.

Im Internet kursieren in letzter Zeit viele Beiträge, die besagen, dass ein Hund Kohlenhydrate für seine Nerven braucht. Es würde ihn ruhiger machen, er könne sich leichter konzentrieren, würde weniger nervös sein.

Dazu benötigt ein Hund aber nicht unbedingt Kohlenhydrate – das funktioniert genauso mit Fett und Proteinen. Der Hintergrund ist ganz einfach – der Körper benötigt Tryptophan, um daraus Serotonin, allgemein bekannt als Glückshormon, herzustellen. Damit der Körper Tryptophan aber überhaupt verwerten kann, braucht er zum einen aber einige andere Stoffe, z.b. B-Vitamine, zum anderen sollte der Gehalt an Tyrosin (ein Gegenspieler von Tryptophan) im Futter niedrig sein. All dies wird auch mit normalen, kohlehydratarmen Barf-Rationen erreicht, wenn der Fettgehalt stimmt – sogar leichter, denn das Verhältnis an Tryptophan zu Tyrosin ist in tierischen Bestandteilen viel besser.

Zusammengefasst kann man sich also durchaus merken – Fett ist NICHT böse. Ganz im Gegenteil sogar. Hat der Hund ein wenig Hüftgold, gilt – zuerst die Menge an Leckerli reduzieren. Man unterschätzt ganz schnell, was so alles nebenbei in den Hund wandert. Erst danach die Gesamtfuttermenge reduzieren und nur ganz zum Schluss auch den Fettgehalt überprüfen und evtl. etwas reduzieren.